Haßfurt

Von Naivität vorgeschobenen Argumenten im Verband

14. Dezember 2018

Haßfurt. „Ich kann es nicht mehr hören, dass immer der Nachwuchs oder junge deutsche Spieler in solchen Entscheidungen vorgeschoben werden“, gerät Andreas Kurz fast in Rage, wenn er über eine Empfehlung des Bayerischen Eishockeyverbandes (BEV) angesichts der Nachwuchsarbeit in den Vereinen spricht, die auch der ESC Haßfurt bekommen hat. Darin geht es in erster Linie um die vor Saisonbeginn getroffene freiwillige Selbstbeschränkung aller Bayernliga-Vereine, mit nur zwei transferkartenpflichtigen Spielern anzutreten, die nun auch für die Aufstiegsrunde gelten soll.

Doch es gibt weitere „Ratschläge“ seitens des BEV. Er empfiehlt seinen Mitgliedsvereinen, „den personellen und finanziellen Schwerpunkt auf die eigene Nachwuchsarbeit zu richten, da dies die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des Eishockeysports in Deutschland und Bayern ist“, heißt es in dem Schreiben mit den aktuellen Durchführungsbestimmungen für den Spielbetrieb in der Verzahnungsrunde und bezüglich der Ausländerproblematik. „Das machen wir schon seit der Gründung des ESC im Jahre 2004“, betont Andreas Kurz als Sprecher des Gesamtvorstandes. Derzeit seien fünf Teams (U9, U11, U13, U15 und U20) im Spielbetrieb, die „alle einen eigenen lizenzierten Trainer“ haben. Tatsache ist auch, dass bei den großen „Hawks“ von den verbliebenen 23 Spielern im Kader 15 stehen, die in Haßfurt das Eishockey erlernt haben. „Viele davon waren noch nie bei einem anderen Verein“, zeigt sich Kurz deshalb stolz. Jüngstes Beispiel ist der erst 18-jährige Lukas Kratschmer. Auch Pascal Marx ist seit seinem 16. Lebensjahr im ESC-Kader. „Mehr junge Spieler können wir gar nicht einbauen. Von den oben genannten 15 Spielern sind außerdem acht unter 23 Jahren“. Andreas Kurz ist überzeugt, dass es nur wenige Vereine gibt, „in denen dies nur annähernd ähnlich ist. Vielmehr motzen jetzt hier Vereine die, wenn es hoch kommt, zwei bis drei Spieler aus ihrer Stadt in ihrer 1. Mannschaft haben. Dabei“, zeigt er sich verwundert, „wäre es bei denen kein Problem, mal einen Spieler einzubauen“. „Da unten“, verweist er auf den Süden des Freistaats, „gibt es alle 50 Kilometer fünf Vereine. Wer glaubt denn ernsthaft, dass ein Deutscher aus Südbayern seinen Job kündigt, um in Haßfurt Landesliga-Eishockey zu spielen? Wie naiv sind die denn?“

Der Knackpunkt für die sportlich Verantwortlichen beim ESC Haßfurt bestehe darin, dass sie diese Anzahl an jungen Einheimischen nur weiterbringen, „wenn wir Spieler im Kader haben, welche die Jungen führen, von denen sie sich noch etwas abschauen können und die deren Fehler in einem Spiel auch mal ausbügeln.“ Andreas Kurz empfiehlt dem Verband, „sich selbst einmal zu hinterfragen, ob man Kinder und Jugendliche wirklich richtig auf die Seniorenmannschaften vorbereitet, in dem Nachwuchsligen mit acht oder weniger Mannschaften geplant werden, in denen die Spieler dann 14 Partien oder weniger in einer ganzen Saison haben“.

Derweil stößt ihm manche andere Entscheidung sauer auf. „Natürlich brauchen wir Nachwuchs und möglichst viele Kinder, die in unserem Sport Aktiv sind“, gibt er dem BEV einerseits recht. „Dort glaubt man aber, dass man einfach bestimmt, das man die Kinder haben muss und dann fallen die vom Himmel. Auch da wird wieder nicht im geringsten Unterschieden, ob das ein Verein in München, Ingolstadt, Augsburg oder Haßfurt ist“. Er ist fest davon überzeugt, dass in der Kreisstadt „alles getan wird, Kinder und Jugendliche für unseren Sport zu begeistern“. Er verweist auf Schlittschuhkurse, der Kooperation mit mehreren Grundschulen oder Besuchen in Kindergärten und Schulen. „Das sind nur einige Dinge, die nebenbei von unseren ehrenamtlichen Trainern und Betreuern geleistet werden. „Leider“, sagt er am Schluss, „scheint das beim Verband wohl keiner zur Kenntnis zu nehmen, da haben wir auf jeden Fall noch kein Feedback bekommen.“

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Pascal Marx steht nur stellvertretend für die gelungene Nachwuchsarbeit beim ESC Haßfurt. Bereits mit 16 Jahren schnupperte der Zeiler, der nach erfolgreicher Ausbildung auch beim, EHC Nürnberg aktiv war, erstmals Bayernligaluft bei den großen „Hawks“. Mittlerweile ist der heute 21-jährige eine feste Größe in der Abwehr. Foto: Ralf Naumann

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Andreas Kurz Foto: Ralf Naumann

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