Die DJK Dampfach erlebt nach den erfolgreichsten Jahren ihrer Vereinsgeschichte einen tiefgreifenden Umbruch.
Nach Abstieg, Trainerwechsel und schwierigem Saisonstart scheint sich die Mannschaft inzwischen gefangen zu haben. Mittendrin: ein fünfköpfiges Interimstrainerteam um den früheren Zweitliga-Aufsteiger Martin Halbig.
Was passiert mit einem Verein, wenn die erfolgreichste Ära seiner Geschichte zu Ende geht? Wenn aus jahrelangem Höhenflug plötzlich Abstieg wird, wenn ein Trainer geht, der fast sieben Jahre lang das Gesicht der Mannschaft geprägt hat, und wenn sich anschließend auch der erhoffte Neustart schwieriger gestaltet als gedacht? Bei der DJK Dampfach lässt sich derzeit beobachten, wie anspruchsvoll eine solche Zeitenwende sein kann.
Noch in der vergangenen Saison war der kleine Dorfverein der höchstspielende Fußballklub im Landkreis Haßberge. Unter Oliver Kröner hatte die DJK den Sprung in die Landesliga geschafft und sich dort über Jahre behauptet. Es war der größte sportliche Erfolg der Vereinsgeschichte. Mit dem Abstieg am Ende der vergangenen Saison endete schließlich auch die fast siebenjährige Amtszeit Kröners. Zurück blieb ein Verein, der sich neu sortieren musste.
Denn so naheliegend der Gedanke auch sein mag, einen Landesliga-Absteiger automatisch zum großen Favoriten der Bezirksliga zu erklären: Ganz so einfach ist die Sache nicht. „Viele setzen automatisch voraus, dass ein Absteiger sofort wieder zu den Favoriten gehört“, sagt Martin Halbig, der inzwischen gemeinsam mit Stephan Becht, Stefan Lutz, René Biegner und Resmi Osmanaj das Training der DJK leitet. Nach allem, was ihm über die Planungen vor der Saison berichtet wurde, sei dies in Dampfach keineswegs als selbstverständlich ausgegeben worden.
Dafür gibt es Gründe. „Das Gesicht der Mannschaft hat sich in den vergangenen drei Jahren komplett gewandelt“, erklärt Halbig. Die DJK, die einst mit einer eingespielten Mannschaft ihre erfolgreichste Zeit erlebte, muss sich personell neu finden. Dazu kommt der Wechsel in eine deutlich kampfbetontere Liga, in der andere Qualitäten gefragt sind.
Das bekam Dampfach bereits zum Saisonstart zu spüren. Mit André Wagner, zuvor Trainer der U19 des Bayernligisten Eintracht Bamberg, sollte eigentlich ein neuer Abschnitt beginnen. Unterstützt wurde er von Co-Trainerin Laura Weidner. Doch nach zwei knappen Auftaktniederlagen beim TSV Großbardorf II und gegen Viktoria Untererthal teilte die DJK am 1. August mit, dass die Zusammenarbeit mit dem Trainerduo nach intensiven Gesprächen zum 31. Juli beendet worden war.
Also musste erneut improvisiert werden. Und die Lösung, die Dampfach fand, passt ziemlich gut zu diesem Verein. Martin Halbig hatte eigentlich nicht vor, noch einmal einen Trainerposten zu übernehmen. Als Fußballer hatte er selbst große Zeiten erlebt und mit dem FC Schweinfurt 05 den Aufstieg in die 2. Bundesliga gefeiert. Später arbeitete er unter anderem als Trainer beim FC Schweinfurt, FC Bad Kissingen und beim FC Fuchsstadt.
Doch als DJK-Vorstand Bernd Riedlmeier Halbig und den B-Lizenz-Inhaber Stephan Becht bat, gemeinsam mit den bereits vorhandenen Kräften zunächst auszuhelfen, fiel das Nein schwer. „Wir saßen in der Früh zusammen und haben einfach gesagt, dass wir aushelfen. Und schon ging es los“, erzählt Halbig schmunzelnd. „Und jetzt sind wir mittendrin.“ Einen Vertrag habe er nicht. Es ging schlicht darum, dem Verein in einer schwierigen Situation zu helfen.
Dass Halbig und Becht kaum Nein sagen konnten, hat auch mit den engen Verbindungen rund um die DJK zu tun. Halbigs Sohn Dominik spielt selbst für Dampfach und ist mit der Tochter von Vorstand Bernd Riedlmeier liiert. Stephan Becht wiederum ist der Schwager von Riedlmeiers Sohn Ralf, der ebenfalls das DJK-Trikot trägt. Dabei hätte Becht eigentlich schon genug Fußball in seinem Terminkalender: Er gehört zum Trainerteam des Nachwuchsstützpunktes in Großbardorf und betreut zusätzlich eine Jugendmannschaft in Goßmannsdorf. Doch wenn Hilfe benötigt wird, hilft eben die Fußballfamilie.
Was das neue Trainerteam vorfand, war allerdings eine verunsicherte Mannschaft. Den letzten Heimsieg hatte die DJK zuvor im November 2025 gefeiert. Monatelang kein Erfolgserlebnis vor den eigenen Zuschauern, dazu der Abstieg und anschließend der Fehlstart in der neuen Klasse – all das hinterlässt Spuren. „Das ist Wahnsinn, was so etwas mit einem macht“, sagt Halbig.
Entsprechend groß war die Erlösung, als endlich wieder gewonnen wurde. Schon das erste Spiel unter dem Interimsteam entwickelte sich zu einem Charaktertest. Beim FC Thulba musste Dampfach nach einer frühen Roten Karte rund 75 Minuten in Unterzahl spielen und gewann dennoch mit 3:1. Es folgte ein 2:2 im Landkreisderby gegen den TSV Knetzgau und anschließend ein Punktgewinn beim Spitzenteam aus Ettleben. Bis heute ist die DJK damit die einzige Mannschaft, die Ettleben einen Zähler abnehmen konnte. Spätestens beim jüngsten 6:1 gegen den TSV Münnerstadt war dann zu erkennen, welches Potenzial weiterhin in dieser Mannschaft steckt.
Halbig macht die Entwicklung allerdings nicht nur an Ergebnissen fest. „Was mir bereits gefällt: Wir erspielen uns wieder Torchancen“, sagt er. Noch würden diese nicht immer konsequent genug genutzt, gegen Münnerstadt habe das jedoch schon ziemlich gut funktioniert.
Auf die Frage, was das neue Trainerteam verändert habe, folgt eine bemerkenswerte Antwort: „Das weiß ich nicht. Wir haben nicht zurückgeschaut.“ Statt die Wochen zuvor aufzuarbeiten, ging es zurück zu den Grundlagen. Körperliche Fitness, wenige Ballkontakte, einfache Dinge, Disziplin und Ehrlichkeit stehen im Mittelpunkt. Vor allem aber verfolgt das Trainerteam ein Ziel: „Wir wollen aus der Truppe endlich eine Mannschaft formen.“
Erste Fortschritte erkennt Halbig bereits. Es sei mehr Zug in der Mannschaft, die Disziplin habe zugenommen und die Spieler würden sich stärker dem gemeinsamen Ziel unterordnen. „Ich habe wirklich ein gutes Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Fertig ist dieser Weg allerdings noch nicht. Vor allem in der Rückwärtsbewegung sieht Halbig Baustellen. Noch laufe seine Mannschaft zu häufig unnötig in Konter. Hinzu kommt, dass der Kader aufgrund von Verletzungen und Urlaubern derzeit nicht komplett zur Verfügung steht. Ab Mitte September dürfte sich die personelle Situation entspannen.
Vielleicht ist es deshalb ganz gesund, dass man in Dampfach momentan nicht ständig auf die Tabelle schaut. „Wir schauen von Woche zu Woche“, sagt Halbig. Nach dem Fehlstart steht die DJK noch im Mittelfeld, die vergangenen Auftritte zeigen jedoch, dass der Abstand zu den Spitzenteams keineswegs unüberwindbar sein muss.
Und ausgerechnet jetzt wartet der bislang stärkste Gegner der Liga. Am Sonntag, 30. August, um 17 Uhr gastiert Dampfach beim TV Haßfurt. Der Aufsteiger aus der Kreisstadt ist bislang die große Überraschung: fünf Spiele, fünf Siege und lediglich ein Gegentor. Für Halbig ist das Derby deshalb ein „richtungsweisendes Spiel“. Gewinnt Dampfach, wäre die Mannschaft wieder näher an der Spitzengruppe. Bei einer Niederlage würde man sich zunächst im Mittelfeld festsetzen.
Für Halbig hätte ein Erfolg zudem eine persönliche Note. Am Mittwoch feierte er seinen 61. Geburtstag. Drei Punkte wenige Tage später wären vermutlich ein Geschenk, gegen das er wenig einzuwenden hätte.
Doch unabhängig vom Ausgang dieses Derbys hat bei der DJK längst ein Prozess begonnen, der wichtiger ist als ein einzelnes Ergebnis. Nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte, dem Abstieg, dem Ende einer prägenden Trainerära und einem turbulenten Start in die neue Saison muss Dampfach erst wieder herausfinden, was die neue DJK ausmacht. Dabei geht es zunächst weniger um einen schnellen Wiederaufstieg als um etwas Grundsätzlicheres: Aus einer neu zusammengesetzten Truppe soll wieder eine Mannschaft werden.
Und die vergangenen Wochen lassen den Eindruck entstehen, dass die DJK Dampfach auf diesem Weg inzwischen ein gutes Stück vorangekommen ist.



