Steinsfeld/Wonfurt. Fränkischer Spargel gehört für viele Menschen im Landkreis Haßberge fest zum Frühjahr dazu.
Er ist ein Stück regionale Esskultur und ein Produkt aus der Heimat. Doch genau dieses hochwertige Lebensmittel ist in den vergangenen Jahren für manche Verbraucher schwerer erschwinglich geworden.
Denn Spargel ist kein Massenprodukt, das sich einfach nebenbei erzeugen lässt. Jede einzelne Stange bedeutet Handarbeit, Erfahrung und viel Aufwand. Die Felder müssen vorbereitet, gepflegt und regelmäßig kontrolliert werden. Geerntet wird in mühevoller Arbeit, oft früh am Morgen und bei jedem Wetter. Entsprechend liegt der Kilopreis für fränkischen Qualitätsspargel aktuell häufig zwischen 16 und 20 Euro.
In Zeiten gestiegener Lebenshaltungskosten, hoher Energiepreise und teurer Mobilität überlegen viele Menschen genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben. Das bekommen auch die Spargelbauern in der Region zu spüren. Manche Kunden verzichten ganz, andere greifen zu günstigerem Spargel aus dem Ausland.
Auch Jochen Werner aus Steinsfeld kennt diese Entwicklung. Unter dem Namen STEINSFELDER Spargel vertreibt er Spargel aus eigenem Anbau. Schon in den vergangenen Jahren sei der Absatz bei deutschen Spargelbauern deutlich zurückgegangen. Für die aktuelle Saison rechnet Werner mit weiteren Rückgängen von bis zu 30 Prozent.
„Man muss jetzt einfach die nächsten Wochen abwarten und dann die Lage bewerten“, sagt Jochen Werner. „Es kann sein, dass wir dann im nächsten Jahr die Anbaufläche für unseren Spargel verkleinern werden.“
Diese Aussage zeigt, worum es eigentlich geht: nicht nur um den Preis eines Gemüses, sondern um die Zukunft regionaler Landwirtschaft im Landkreis Haßberge. Denn wenn heimische Produkte nicht mehr gekauft werden, verschwinden sie irgendwann auch von den Feldern. Was heute noch selbstverständlich wirkt, kann morgen schon weniger werden.
Jochen Werner möchte sich damit aber nicht einfach abfinden. Er ist überzeugt davon, dass fränkischer Spargel aus heimischem Anbau einen besonderen Wert hat.
„Unser fränkischer Spargel schmeckt deutlich leckerer als der aus dem Ausland, nicht zuletzt schon aufgrund der Frische“, sagt Werner. „Meist landet bei unseren Kunden der Spargel auf dem Tisch, der wenige Stunden zuvor noch auf dem Feld war.“
Genau das ist der große Unterschied. Der Spargel aus Steinsfeld kommt nicht über lange Transportwege in den Landkreis, sondern wächst direkt hier. Er wird hier angebaut, hier verkauft und landet im besten Fall auch hier auf dem Teller. Wer ihn kauft, entscheidet sich also nicht nur für Geschmack, sondern auch für kurze Wege und für die Unterstützung eines landwirtschaftlichen Betriebs vor Ort.
Für Jochen Werner ist Spargel deshalb mehr als nur ein Produkt. „Spargel ist nicht nur ein leckeres Gemüse. Spargel ist bei uns in Franken Tradition. Spargel ist bei uns ein Kulturgut“, sagt er. „Mir wäre es ja auch lieber, wenn ich das Kilo für acht Euro verkaufen könnte. Aber die hohen Personalkosten lassen solche Preise nicht zu.“
Genau aus diesem Gedanken heraus ist nun eine besondere Aktion entstanden. Werner, der auch Erdbeeren anbaut und dort bereits Selbsterntefelder betreibt, möchte das Prinzip nun erstmals auf den Spargel übertragen.
Am Samstag, 10. Mai, und Samstag, 17. Mai, können Interessierte in Steinsfeld ihren Spargel selbst stechen. Der Preis liegt bei acht Euro pro Kilo.
„Ich werde etwas ausprobieren, was ich so bisher nur von den Erdbeeren kannte“, erklärt Werner. „Man kann bei uns dann den Spargel selbst stechen und bezahlt nur das, was man letztendlich auch mit nach Hause nimmt. So können auch Familien mit geringerem Budget ebenfalls unseren Spargel genießen. Gleichzeitig lernt man so etwas über unsere Arbeit als Spargelbauer. Und Spaß kann das sicherlich auch machen.“
Damit wird aus dem Einkauf ein Erlebnis für die ganze Familie. Und wer selbst einmal auf dem Feld gestanden hat, versteht vermutlich besser, warum regionaler Spargel seinen Preis hat.
Das benötigte Spargelmesser wird vor Ort gestellt. Mitbringen sollte man lediglich einen kleinen Korb sowie festes Schuhwerk. Vor Beginn gibt es eine kurze Einweisung, damit auch Anfänger wissen, worauf beim Spargelstechen zu achten ist. Die Aktion findet an beiden Tagen jeweils von 10 bis 16 Uhr statt.
Das Feld wird in Steinsfeld ausgeschildert. Wer den Weg nicht gleich findet, kann einfach im Hofladen nachfragen. Dieser befindet sich in der Steinsfelder Straße 12 in 97539 Steinsfeld.
„Wir freuen uns auf viele Besucher und die damit verbundene Unterstützung der regionalen Landwirtschaft“, sagt Jochen Werner.
Bild: Fränkischen Spargel zum Selbsternten? Dies macht Jochen Werner von Steinsfelder Spargel am 10. und 17. Mai von 10 bis 16 Uhr auf seinem Feld möglich. Foto: René Ruprecht




