Aidhausen. Judith Röhner und Bianca Gräb aus Aidhausen sind seit frühester Kindheit ein eingespieltes Team, damals im Sandkasten und heute auf der Bühne.
Was als Freundschaft mit Förmchen begann, wurde zur Fastnachtsverbindung mit Format. Heute nennen sie sich „Hatz & herzlich“. Eine Anspielung auf „Hart aber herzlich“, wobei das erste Wort eine Mischung aus Hase und Schatz ist. Diese Kosenamen geben sch die beiden gegenseitig. Keine Büttenreden von der Stange, sondern eigene Texte, echte Themen, die das Leben schreibt und dem Publikum serviert mit Gitarre, Reim, Witz und viel Spaß – dafür stehen die beiden.
Beim Sommercasting der Fastnachtsakademie in Kitzingen gehörten sie kürzlich zu den 14 Darbietungen auf der Bühne. Acht Minuten waren angesetzt, Judith und Bianca nutzten die Bühne ein wenig großzügiger, was ihnen in der konstruktiven Rückmeldung charmant mitgeteilt wurde. Bewertet wurde nicht, aber Marco Anderlik, der Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken, und auch der Bayerische Rundfunk waren mit dabei. Der BR zeichnete die Beiträge auf, zur internen Sichtung neuer Talente. Für „Hatz & herzlich“ war das nicht nur ein spannender Auftritt, sondern auch eine Station auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel: „Einmal Veitshöchheim – das wär ein Traum.“
Der Auftritt drehte sich um zwei Dinge, die jeder kennt: Essen und Männer. Was auf den Tisch kommt, wie man’s isst und warum Männer angeblich keine Arbeit im Haushalt sehen, aber beim Fiebermessen bei 99 Fahrenheit sofort das Drama wittern. Umgerechnet übrigens nur 37,2 Grad Celsius, also eher handwarm als bedrohlich. Musikalisch begleitet von Judith an der Gitarre und stimmlich von beiden getragen, präsentierte „Hatz & herzlich“ humorvolle Alltagsbeobachtung.
Judith und Bianca, 35 und 36 Jahre alt, entwickeln ihre Auftritte im ständigen Austausch miteinander. Da wird laut gedacht, da wird geblödelt, da fliegen die Reime hin und her, bis der Text sitzt. Oft reicht ein Stichwort oder ein Satz, und schon spinnen sie sich gegenseitig weiter in die nächste Pointe. Der eine bringt den Rhythmus, die andere das Reimwort. Und manchmal ist es auch umgekehrt.
Judith bringt dabei ihre musikalische Erfahrung ein. Seit 2014 ist sie Sängerin der Band Heimspiel aus Rügheim und steht regelmäßig auf der Bühne. „Ich bin eine Rampensau“, sagt sie selbst über sich. Und das spürt man auch. Bianca wiederum hat ein feines Gespür für Sprache, findet originelle Formulierungen und hat immer ein Auge für das Gesamtbild. Judith nennt sie augenzwinkernd „die lebendige Bütt-GPT“, weil ihr immer die passenden Reimzeilen einfallen.
Die Wurzeln des Duos liegen bei den Büttensitzungen in Aidhausen, die es heute leider nicht mehr gibt. Damals noch mit Sketchen im Stil von „Bauer sucht Frau“. Dann kam das Leben dazwischen. Beide gründeten Familien, Bianca wohnte zeitweise auswärts, Judith widmete sich der Musik. Doch 2016, bei Biancas eigener Hochzeit, fanden die beiden wieder zueinander und zwar mit einem gemeinsamen A-cappella-Auftritt, der es in sich hatte.
Sie besangen die wahre Geschichte von Eddi, Judiths entlaufenem Hund, der angeblich in einem Altenheim aufgetaucht war, wo man ihn eine Woche lang liebevoll umsorgte, bürstete, fütterte und offenbar mit Leberwurst päppelte. Als Judith ihn abholte, wunderte sie sich zwar über die Figur (Zitat: „Ganz schön fett geworden“) und das irgendwie komische Verhalten. Trotzdem glaubte sie aber an ein Wiedersehen mit ihrem Liebling. Erst eine Chipkontrolle brachte Klarheit: Es war nicht Eddi, sondern sein fast identischer, aber deutlich besser gefütterter Zwillingsbruder. Die Geschichte sorgte auf der Hochzeit für schallendes Gelächter und für die beiden war danach klar: So gut funktionieren wir nur gemeinsam, wir gehören wieder auf die Bühne.
Seitdem steht „Hatz & herzlich“ regelmäßig auf der Bühne. In diesem Jahr allein über ein Dutzend Auftritte, etwa bei Büttensitzungen in Mechenried und Hofheim, aber auch im Raum Würzburg. Die Kontakte dorthin gehen zurück auf Judiths Auftritt bei der BR-Sendung „Närrischen Weinprobe“ vor langer Zeit. Zuvor hatte sie im Jahr 2010 an einem Casting für eine andere Sendung teilgenommen. Danach wurde der ehemalige Fastnachtspräsident Bernhard Schlereth auf sie aufmerksam. In einem selbst geschriebenen Lied nahm sie damals die holprigen Straßen von Aidhausen auf die Schippe.
Zwei Frauen und ein Ziel, das beide teilen. Ob es bis nach Veitshöchheim geht? Möglich. Als fränkischer Nachwuchs mit Reim, Witz und Musik hätten „Hatz & herzlich“ jedenfalls das Zeug dazu, irgendwann in die Fußstapfen von Oti Schmelzer zu treten.
Im Bild: Wird man die beiden künftig auf der ganz großen Faschingsbühne sehen? Judith Röhner und Bianca Gräb aus Aidhausen. Foto + Text: Christian Licha




